Der Martini

Sie wollen wissen, ob der Barkeeper in dem Club oder in der Lounge, wo Sie gerade sitzen, etwas von seinem Handwerk versteht?

Dann bestellen Sie doch einen Martini – wenn der gut zubereitet ist, können Sie sich ganz vertrauensvoll auch den übrigen Cocktails auf der Karte hingeben.
Denn der Martini ist so etwas wie der Maßstab für die Qualität einer Bar. Seine berühmteste Form ist der klassische „Dry Martini“, der von der International Bartenders Association – dem internationalen Dachverband aller Barkeeper – in der Kategorie „The Unforgettables“ geführt wird. Ja, unvergesslich ist er und unvergessliche Stunden schenkt er, der Dry Martini.

Zugegeben, an der Zusammensetzung und Zubereitung des Cocktails scheiden sich immer mal wieder die Geister. In der Regel aber besteht der Martini aus Gin und trockenem französischem Wermut. In der Diskussion um das richtige Mischverhältnis spielt ohne Frage der Gin die Hauptrolle. Die übliche und von Fachleuten empfohlene Mischung liegt bei 5 cl : 1 cl, zuweilen auch bei 6 : 1. Wermut ist ein Likörwein mit einem hohen Zuckeranteil und einem Alkoholgehalt zwischen 16 und 21% vol. Manch einer mag nur einen Hauch davon in seinem Cocktail. Oder das gekühlte Martiniglas wird lediglich mit Wermut benetzt. Zubereitet wird der Martini im Rührglas, da sich die beiden Spirituosen auf diese Weise leicht verbinden und der Drink klar bleibt. Die bekannte 007-Variante wird dagegen im Cocktail-Shaker geschüttelt – was zur Folge hat, dass der Martini zunächst eine milchig-trübe Konsistenz hat und erst mit der Zeit im Glas aufklart. Apropos Glas: dieses muss immer die typische konische, also kegelförmige (englisch Y-shaped), Form haben. Es wird daher auch Martinikelch oder Cocktailspitz genannt und ist als solches schon über 80 Jahre gängig. Ein Muss beim Martini ist auch die grüne Olive (mit Stein!), die am Cocktailpick in den Drink gegeben wird. Alternativ sind auch mehrere Oliven möglich, die aufgespießt auf dem Glasrand liegen. Eine weitere Möglichkeit ist das Garnieren des Martinis mit einem Stück Zitronenschale – besonders dann, wenn der verwendete Gin Zitrusnoten aufweist, bzw. wenn beim Mixen zusätzlich Orangenbitter verwendet wurde. Für die Zitronen-Garnitur gibt es eine spezielle Verfahrensweise: bevor das etwa daumengroße und sehr dünn geschnittene Stück Schale am Glasrand oder im Drink landet, werden die Enden direkt über der Flüssigkeit gegeneinander verdreht. So können die ätherischen Öle aus der Schale die Oberfläche des Cocktails benetzen, fachsprachlich wird der Drink „abgespritzt“. Häufig wird auch noch der Rand des Glases kurz mit der gelben Seite der Zeste abgerieben. Das hat schon etwas Kunstvolles!

Wo und wie der Martini entstanden ist ranken sich etliche Geschichten. Sein Heimatland ist sehr wahrscheinlich die USA. Der Dry Martini soll Anfang des 20. Jahrhunderts von einem Barkeeper in New York erfunden worden sein. Damals noch zu gleichen Teilen aus Gin und trockenem Wermut gemixt, mit einem Schuss Orangenbitte und verziert mit einer Spirale von einer Zitronenschale. Ob diese Mischung heute noch durchgehen würde ist fraglich. Aber über die eine und allgemeingültige Rezeptur bezüglich des Martinis herrscht bekanntlich keine Einigkeit.

2017-10-18T10:54:41+00:00