Gurke oder Zitrone – das ist hier die Frage

Um es vorweg zu nehmen: Gin bzw. Gin Tonic mit Gurke ist nicht jedermanns Sache.

Dabei haben das beliebte Kürbisgewächs und der Gin einiges gemeinsam: Beide werden im Allgemeinen mit Sommerfrische assoziiert. Und sowohl die Gurke wie auch Gin haben wenig Kalorien – auch, wenn man das von einer Spirituose kaum glauben mag. Gerade mal 42 Kalorien auf 2 cl, das ist wirklich nicht viel verglichen mit anderen Brands.

Die Kombination von Gin und Gurke funktioniert dennoch nicht mit jeder Sorte des Wacholderschnaps. Die Aromen müssen auf jeden Fall zur Gurke passen – beispielsweise eignen sich Hendricks Gin und der Monkey 47 sehr gut dafür. Der Hendricks schmeckt tatsächlich nicht so sehr nach der Wacholderbeere, sondern trägt Nuancen der Damaszenerrose und der Salatgurke in sich. Neben den passenden Aromen ist auch das entsprechende Mischverhältnis des Gin Tonics sehr wichtig, denn mit zu viel oder zu wenig Gin, zu viel oder zu wenig Tonic plus Gurke kommt nichts Gutes zustande.

Etliche Bartender dieser Welt neigen dazu Gin mit Gurke zu servieren. Dabei wird übersehen, dass einige Gin-Sorten absolute „no go’s“ sind: wie der Gordon’s mit seinem deutlichen Wacholder- und Koriandergeruch. In sein Aroma mischt sich auch etwas Zitroniges – mit Gurke serviert geht das gar nicht. Bei der Mischung mit dem beliebten Gemüse sollte also ein wenig Fingerspitzengefühl dabei sein und die genaue Kenntnis, welcher Gin sich eignet.

Dagegen verbindet Zitrusfrüchte und Spirituosen eine lange Geschichte. Kaum eine andere Frucht weist eine so enge Verbindung zu alkoholfreien und alkoholischen Getränken auf wie die Zitrone. Bei einer ganzen Reihe von Cocktails und Longdrinks werden Zitronenschalen, – stücke oder -schnitze zum Garnieren genutzt. Ein Spritzer frischer Zitrone kommt bei vielen Drinks ins Glas, eben auch beim Gin Tonic. Die Zitronensäure ergänzt hervorragend das Tonic Water mit seinem bitteren Chinin und der Kohlensäure.

Was Gin pur betrifft, gehören Zitronen zu den elementaren Botanicals. Bei über 90 Prozent aller Gins sind sie mit von der Partie. Die Mehrheit der Produzenten setzen auf die Schale der Zitrusfrucht – in getrockneter Form oder frisch und in Alkohol eingelegt. Auch die Kombination mit Orangenschalen sowie mit Schalen von anderen Zitrusfrüchten wie Limette oder Grapefruit ergibt ein schönes Zusammenspiel. Zuweilen wird für die Aromatisierung nicht nur die Schale, sondern die gesamte Frucht verwendet – das Ergebnis ist dann besonders intensiv. Vor allem beim New Western Dry Gin sind Zitrusnoten ein fester Bestandteil des Aromas (anders als beim klassischen London Dry Gin, wo die Wacholderbeeren im Mittelpunkt stehen!).

Je signifikanter die Zitrusnote, desto fruchtiger, frischer und sommerlicher wirkt der Wacholderschnaps. Manche Gins setzen ganz darauf, anderen Sorten hingegen genügt nur ein Hauch Zitrone. Im Gordons Lemon Gin ist die Zitrone sogar Haupt-Botanical. Früher waren Gins mit der sauren Südfrucht richtig in, heutzutage finden exotische Botanicals mehr Anklang.

Gurke oder Zitrone – das ist und bleibt die Frage.

2017-10-18T10:41:26+00:00