Mythen rund um den Gin

Es ranken sich diverse Mythen rund um den Gin. Manche sind wahr, andere nur halb und einige sind einfach nur Nonsens. Amüsant und lesenswert sind sie fast alle. Es wird beispielsweise angenommen, dass Gin als Beautymittel wirken könnte. Ist das Blödsinn?

Nun, Gin wird nachgesagt, dass er durch seine hohen Wacholder- und Korianderanteile die Nierenfunktion besonders anregt. Keine Frage, Schadstoffe werden dadurch schneller aus dem Körper gespült. Zudem ist Gin reich an Antioxidantien, die freie Radikale neutralisieren und somit der schnellen Hautalterung vorbeugen. Ein zusätzliches Plus: Im Gegensatz zu vielen anderen Spirituosen ist Gin mit nur 20 Kalorien pro Zentiliter äußerst kalorienarm.
Bei dieser Faktenlage könnte Gin demnächst als alkoholischer Detox und als Ersatz für Botox in Schönheitskliniken angeboten werden…
Etwas Medizinisches ist dem Gin bzw. dem Gin Tonic schon zu eigen. Bereits im Achtzigjährigen Krieg (1568-1648) tranken sich die niederländischen Soldaten mit ihrem „Genever“ mehr Courage für ihre Kämpfe an. Britische Soldaten konsumierten Gin & Tonic gegen Malariafieber, da die Chinarinde, welche im Tonic Water enthalten ist, schon lange als Heilmittel bekannt war. Außerdem fungierte der Gin & Tonic als natürlicher Mückenschutz, da die Insekten den Geruch angeblich nicht mögen.

In Wasser eingeweichte Rosinen mit Gin sind die tägliche Ration, um Menschen mit Arthritis Linderung zu verschaffen. Eine Behauptung, die sich hartnäckig hält, aber nicht bewiesen werden kann. Ebenso, dass Gin gegen Heuschnupfen helfe. Fakt ist, dass klare Alkohole, eben wie Gin, nur wenige bis gar keine Histamine enthalten – sie verstärken daher allergische Reaktionen nicht wie andere alkoholische Getränke.

Es gibt die schöne Regel: „Wodka ist für den Wirkungstrinker, Gin ist für den Bildungstrinker.“ Gin ist also vorrangig für sophisticated people? Scheint so, denn zu seinen erklärten Fans gehörten Männer wie Winston Churchill und Ernest Hemingway. Churchill soll über seinen Lieblingsmix geäußert haben: „Gin und Tonic hat den meisten Briten das Leben und den Verstand gerettet. Wenigstens weit mehr, als dies die Ärzte des Empire vermochten.“ Der Politiker schrieb Weltgeschichte, der berühmte amerikanische Autor schrieb über Geschichten dieser Welt.

Ein anderer renommierter Dramatiker, T.S. Eliot, wurde einmal bezüglich seiner Inspiration gefragt. Immerhin gilt Eliot als großer Vertreter der modernen Literatur und erhielt 1948 den Literaturnobelpreis. Spontan antwortete er auf die Frage nach seinem Ideenreichtum: „Gin und Drogen, verehrte Dame, Gin und Drogen.“ Es bleibt offen, ob er dies tatsächlich gesagt hat und wenn ja, ob er diese Antwort nach mehreren Gläsern Gin gab.
Gutes Marketing ist mit Mythenbildung bekanntlich eng verzahnt. Der Schwarzwälder Monkey 47 geht angeblich auf die Rezeptur eines gewissen Montgomery Collins, Pilot der britischen Air Force, zurück. Dieser soll nach Ende seiner Dienstzeit im Schwarzwald einen Gasthof mit dem exotischen Namen „Zum wilden Affen“ eröffnet haben. Der Affe existiert noch auf dem Etikett der Flasche, die Gastwirtschaft gibt es schon lange nicht mehr. In ihren Ruinen fand sich jedoch das Ur-Rezept für den heutigen Monkey-47-Gin.

Wahr? Nicht wahr?

Eines ist ganz sicher belegt: Getränke mit höherem Ethanolgehalt, wie Gin oder Wodka, führen seltener zu einem Kater als Getränke mit hohem Anteil an „Fuselstoffen“ – wie beispielsweise Whiskey, Brandy oder Rotwein.
Also, dann noch einen Gin!

2017-10-18T10:15:15+01:00