Very british – Gin

Ja, er ist äußerst britisch, der Gin. Schon historisch ist er mit dem britischen Empire eng verwachsen: Durch den holländisch-spanischen Krieg im 16./17. Jahrhundert erreichte er erstmalig die englische Küste. Soldaten brachten ihn vom Schlachtfeld in ihre Heimat mit.

Gefördert wurde die aus Holland stammende Spirituose durch den niederländischen König Wilhelm III. von Oranien-Nassau, der 1689 den englischen Thron bestieg. Der neue Regent regte die inländische Herstellung von Korn- und Getreidebranntwein an, indem er hohe Steuern auf die Einfuhr ausländischer Brände erhob. Seine Nachfolgerin, Queen Anne, setzte dem noch die Krone auf, indem sie die Produktion von Gin für alle Untertanen freigab. Was bedeutete: Jeder konnte im Königreich seinen eigenen Gin brennen – um 1700 war die Spirituose günstiger zu haben als Wasser. Die sechs Millionen Engländer tranken jährlich mehrere Millionen Gallonen Gin. Alkoholismus war weit verbreitet. Es war die einzige Ära in der angelsächsischen Geschichte, in welcher mehr Menschen starben als geboren wurden. In jener Zeit erhielt der Wacholderschnaps den Beinamen „Mother’s ruin“ („Mutters Untergang“) und war vor allem das Getränk der Armen.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden von staatlicher Seite mehr und mehr Versuche unternommen, diesem Treiben ein Ende zu bereiten. Gesetzliche Erlasse sollten die uneingeschränkte Produktion und den freien Verkauf von Gin stoppen. Doch die erhoffte Wirkung blieb aus – die Briten liebten ihren Gin und brannten ihn ohne Lizenz weiter. Er wurde so etwas wie das National-Getränk des Empires und symbolisierte den britischen Geist. Er fand seinen Eingang in die englische Literatur und später auch in internationale Filme. Einige der bekanntesten Film-Zitate und zentrale Szenen in Movies haben mit Gin zu tun. So fordert etwa Daisy ihren Mann Tom in „Der große Gatsby“ auf, ihnen beiden einen kalten Drink zu machen – gemeint ist ein Gin Rickey.

Und was wäre ein echter James Bond ohne seinen Martini? In „Casino Royal“ gibt Daniel Craig als 007 dem Barkeeper die richtige Mixtur des von Bond favorisierten Martinis vor: „Three measures of Gordon’s, half a measure of Kina Lillet. Shake it over ice and add a thin slice of lemon peel.“ Klar, so steht man am besten im Dienst Ihrer Majestät.
Denn das britische Königshaus liebt ebenfalls seinen Gordon’s. Die erste Ernennung zum Hoflieferanten erteilte König Georg V. im Jahre 1925. Auch später war das Unternehmen Inhaber weiterer Royal Warrants. So unter dem damaligen Prince of Wales, des späteren Eduard VIII. Es folgten George VI. ab 1941 und Königin Elisabeth II., die Gordon’s seit 1955 beliefert. Und die Passion für Gin von Seiten Queen Mums ist längst legendär. Inmitten royaler Skandale hielt er die uralte Dame am Leben und bei klarem Verstand. Offen stand sie zu ihrem täglichen Gin. Fast so bekannt oder inzwischen sogar berühmter als die Königinmutter ist Joanne K. Rowling, die Erfinderin von Harry Potter. Auch diese Engländerin schwärmt für Gin Tonic, es ist sogar ihr Lieblingsgetränk. Verraten hat sie allerdings noch nicht, mit welchem Gin und mit welchem Tonic sie ihn sich zaubern lässt.

2017-10-18T10:50:34+00:00