Gin aus Deutschland

„Gin made in Germany“ ist auf dem Vormarsch. Und er erobert nicht nur den Gaumen und das Herz der Deutschen, sondern auch den Rest der Welt.

Deutscher Gin ist bereits ein fester Bestandteil des europäischen Marktes und begibt sich nun auf Eroberungskurs Richtung USA. Es gibt bereits über siebzig heimische Gin-Sorten, die teilweise mit hervorragender Qualität brillieren. Als erstes gelang es dem Monkey 47 über die Grenzen hinaus von sich reden zu machen. Seit 2009 wird er im Schwarzwald produziert – seine Schöpfer sind Christoph Keller und Alexander Stein, die ursprünglich aus einem ganz anderen Business kommen. Der eine war Verleger, der andere Manager, gemeinsam haben sie den Trend zum Selberbrennen in Deutschland befeuert. Und das sehr erfolgreich: Der Monkey 47 mit seinen 47 Botanicals wird inzwischen in fast dreißig Länder exportiert. Viele Gin-Liebhaber haben in den vergangenen Jahren versucht, es ihnen nachzutun und eigene kleine Destillerien gegründet. Auch diese Erzeugnisse aus allen deutschen Bundesländern können sich sehen – und vor allem schmecken – lassen.

Typisch für German Gin ist, dass die Hersteller ihr Gewicht gerne auf regionaltypische Zutaten oder einen deutsch geprägten Charakter legen. Wacholderschnaps aus Bayern wie der The Duke Munich Dry Gin beinhaltet etwa Malz und Hopfen und aus rein biologischem Anbau bezogene Zusätze. Seine Bezeichnung hat der Münchner Wacholderschnaps in Anlehnung an den bekannten „London Dry Gin“ erhalten – damit sollte zudem seine geografische Verwurzelung mit dem Herstellungsort deutlich gemacht werden.

Gin aus dem hohen Norden, aus Weimar, aus Berlin, aus Kiel und aus allen anderen Winkeln des Landes weist ebenfalls ungewöhnliche Zutaten und damit einen einzigartigen Geschmack auf. Jeweils zugeschnitten auf die Besonderheiten der Landschaft.

Auch in Regionen, die bislang für andere Destillate bekannt waren, wird verschiedentlich mit neuen Gin-Sorten experimentiert. Im alten Kornland Westfalen kommen immer mehr Produzenten und Schnaps-Experten auf die Idee, es mal mit Gin zu probieren. Der Gin aus Westfalen spiegelt die steigende Beliebtheit der hochprozentigen Spirituose mit Wacholder-Note. Der „Friedrichs Dry Gin“ aus der traditionellen Brennerei „Schwarze und Schlichte“ ist ein geborener Westfale, der sich neben seinen ausgewogenen Kräuteraromen und dem weichen Geschmack durch eine feine Lavendelnote auszeichnet. Ebenfalls weich im Geschmack zeigt sich der „Black Swan Arnsberg Dry Gin“, welcher mit heimischen und exotischen Kräutern angereichert ist.

Ein westfälischer Newcomer ist der „Woodland Sauerland Dry Gin“, dessen Flasche auch als Parfümflakon herhalten könnte. Kreiert haben ihn vier passionierte Gin-Fans um Fernsehkoch Olaf Baumeister. Handgepflückter Sauerampfer, aromatische Fichtenspitzen, frische Brennnesseln und kräftige Löwenzahnwurzel verleihen ihm seinen herb-frischen Geschmack.

Die benachbarte Rheinregion muss sich in der Gin-Herstellung nicht verstecken. In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt brennt es gewaltig – genauer gesagt: in Hamminkeln wird ja der R[h]eingin produziert. Seine Abstammung wird nicht nur durch seinen Namen deutlich, sondern auch durch die Koordinaten des Düsseldorfer Schlossturms auf der Flasche. Rein ist vor allem sein Geschmack, der ausschließlich auf unterschiedlichen Arten von Wacholderbeeren basiert. Rheinischer Gin, R[h]eingin – back to the roots!

2017-10-13T12:03:28+02:00