Gimlet

Purer Gin oder in Form von Gin Tonic wurde immer schon für seine medizinische Wirkung gelobt.

Die Briten, die große Commonwealth-Nation, schworen auf den Longdrink als Malaria-Heilmittel in ihren tropischen Kolonien. Nun, kleine, genießerische Sünden werden gerne mit solch wohl klingenden Erklärungen rein gewaschen…

Der Gimlet, ebenfalls ein beliebter Cocktail der britischen Armee, gilt ähnlich wie der Gin Tonic als probates Heilmittel. Und zwar unter den Marinesoldaten, die früher mit Mangelerscheinungen während langer Schifffahrten zu kämpfen hatten. Der Skorbut war eine berüchtigte See-Krankheit aufgrund von Vitamin C-Mangel – die Folgen waren Zahnausfall, Durchfall, Muskelschwund bis hin zum Tod durch Herzschwäche. Und was half dagegen? Genau: Gimlet!

Benannt ist der Cocktail nach dem Arzt in der Royal Navy, Sir Thomas Gimlette, der Ende des 19. Jahrhunderts den Männern seiner Flotte Limettensaft mit einem Schuss Gin verschrieb, um ihre Leiden zu lindern. Möglich, dass daher die nicht gerade schmeichelhafte Bezeichnung „Limey“ für englische Soldaten und Briten im Allgemeinen herrührt.

Mit der Zeit fand der Gimlet seinen Weg auch über den Ozean in die Vereinigten Staaten, wo er insbesondere in Gegenden mit trockenem und warmen Klima beliebt ist. Ein ausgesprochener Gimlet-Fan war der britisch-amerikanische Autor Raymond Chandler, der Erfinder von Detektiv Philip Marlowe. Er erwähnt den Drink ausführlich in einem seiner bekanntesten Romane mit dem Titel „The long good-bye“. Dieser wird gerne zitiert, wenn es um das Mischverhältnis 50:50 geht von Gin und Rose’s Lime Juice.

Heutzutage überzeugt der Gimlet als überaus erfrischender, sommerlicher Drink. Gin und Lime Juice sind seine einzigen Zutaten, obgleich über die Zusammensetzung und die Zubereitung keine Einigkeit herrscht. Wie viel Gin und wie viel Lime Juice darf es sein? Einen Spritzer frischen Limettensaft zusätzlich? Auf Eis im Tumbler serviert oder ohne im Cocktailglas? Und die Frage aller Fragen: Gerührt oder geschüttelt?

Tja, wie immer Geschmackssache. Die einen sagen: Der Mix Gin und Lime Juice im Verhältnis 1:1 ist die perfekte Mischung. So wie es eben auch „Marlowe’s Gin Gimlet“ empfiehlt. Die anderen – welche die Mehrheit ausmachen – erhöhen den Ginanteil und meinen, dass zwei Teile Gin und ein Teil Lime Juice das angenehmste Resultat für die Geschmacksnerven ergeben. Tatsächlich wird der Drink so trockener und schmeckt bei Verwendung eines guten Gins sauberer. Auf der anderen Seite lässt sich ein guter Lime Juice Cordial nicht ohne weiteres durch frischen Limettensaft und Zuckersirup ausgleichen, ohne den Charakter des Cocktails zu verändern.

Wie immer auch die Zusammensetzung sein mag: Gin und Lime Juice werden mit Eiswürfeln in ein Rührglas gegeben. Dann kräftig umrühren (oder shaken) und den Mix in ein Cocktailglas abseihen. Dies kann ein kleiner Tumbler oder eine vorgekühlte Cocktailschale sein. Manch einer mag die Variation mit einem Teelöffel Zuckersirup, der den Mix auf angenehme Weise süßt. Als Früchte zum Garnieren bieten sich Andenbeere, Erdbeere oder sonstige Süßfrüchte an.
Ein fröhlicher Toast auf die hoffentlich immerwährende britisch-deutsche Freundschaft kann nicht schaden (den Brexit dabei gedanklich ausklammern…), ehe der kühle Gimlet die Zunge und den Gaumen angenehm berührt.

2017-10-18T10:44:18+00:00