Französischer Gin

Oh là là – Gin aus Frankreich… Obgleich der Wacholderschnaps zumeist mit England in einem Atemzug genannt wird, ist dies kein Widerspruch.

Frankreich, das Heimatland bester Weine und zudem von Cognac und Pastis, stellt auch gute Gin-Sorten her. Allerdings sind die Gins, ganz ähnlich wie in Deutschland, Quereinsteiger. Und gemessen an Zahlen und Fakten können weder die Deutschen noch die Franzosen den Engländern das Wasser reichen. Doch die „Grande Nation“ produziert eine spannende und bunte Vielfalt an Gins, die sehr individuell gestaltet sind. Die französischen Gins überzeugen durch eine exotisch-geprägte, extravagante Geschmacksrichtung. Das liegt womöglich in der Geschichte Frankreichs begründet, das lange Zeit eine große Kolonialmacht war. Ähnlich wie Großbritannien auch, doch in Frankreich sind die fremdländischen Einflüsse auffälliger. So auch bei den einzelnen Sorten des Wacholderbrands. Gin-Liebhaber und -kenner schätzen das. Französische Gins sind äußerst beliebt. Ihnen haftet das „gewisse Etwas“ an, das “Je-ne-sais-quoi”, weil jeder anders schmeckt – und richtig gut schmeckt.

Safran als Geschmackskomponente im Gin ist eher selten, doch im bekannten Saffron Gin (40 % vol.) kommt sie zum Einsatz. Es handelt sich um eine Abfüllung der Destillerie Gabriel Boudier in Dijon, die sich sehr stark am britischen Verfahren orientiert. Das bitter-herbe Gewürz verleiht dem Brand auch seine intensive orange-goldene Farbe. Neben Safran gesellen sich in diesem Gin Botanicals wie Koriander, Orangen- und Zitronenschalen, Iriswurzeln, Angelikawurzeln, Fenchel und natürlich der Wacholder selbst hinzu. Als Longdrink-Variante ist der Saffron Gin nur zu empfehlen!

Sehr französisch kommt auch der G’Vine daher, denn er basiert nicht auf Getreide, sondern wird aus den Trauben der jahrhundertealten Reben der Cocnac Region gewonnen. Die G’Vine Destillerie verwendet dabei die exklusiven Weinblüten, die nur für einige Tage im Juni blühen. Der weinartige Geschmack sticht deutlich in diesem Gin hervor, vermischt mit einem milden und floralen Aroma. Das Finish des Gins ist bemerkenswert lang und erstaunlich weich. Hinter der Marke Citadelle Gin (La Rochelle) steht das große Cocnac-Unternehmen Cognac Ferrand, in dessen Auftrag die Firma Gabriel & Andreu seit 1998 Gin produziert. Das Angebot ist breit gefächert und reicht vom klassischen Citadelle Gin bis zum sehr aromatischen Citadelle Reserve, der im Holzfass reift. Nicht nur beim Saffron Gin wird mit der Farbe gespielt, sondern auch beim Magellan Gin. Was der eine in schönem Orange kann, kann der andere in Blau. Das Geheimnis dahinter:

Nach dem vierten Destillations-Durchlauf werden zum Destillat Schwertlilien-Blüten gegeben, die für die eindrucksvolle Farbe sorgen. Die Angeac Destillerie will mit der besonderen Farbgebung an die Entdeckungsreisen Magellans erinnern, der unterm blauen Himmel auf blauer See segelte. Hergestellt aus Wacholderbeeren und ausgesuchtem Getreide, dann vierfach destilliert und mit knapp einem Dutzend Gewürzen verfeinert, zeigt sich dieser Gin geschmacklich orientiert an Zitrusfrüchten und frischen Geschmacksaromen.

Als Fazit ist zu sagen: Frankreich, die Genuss-Kultur Europas, bietet neben hervorragendem Essen und besten Weinen inzwischen auch tolle Gins. Insbesondere eine ganze Reihe kleiner Destillerien stechen mit hochwertigen Gin-Sorten hervor. Voilà – le Gin francais !

2017-10-13T12:02:29+02:00